Gesundheit ist der Sonnenschein der Seele.

edward young

 

Regionalanästhesie

Bei der Regionalanästhesie werden einzelne Nerven, Nervenstränge oder Nervengeflechte mit einem örtlichen Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) blockiert. Dadurch wird eine Körperregion für eine bestimmte Zeit gefühllos, Schmerzen werden nicht mehr zum Gehirn geleitet und nicht mehr empfunden. Die Betäubungsmittel wirken nur örtlich, das Gehirn bleibt unbeeinflusst. Während der Operation kann der Patient mit uns sprechen, über Kopfhörer Musik hören oder mit Hilfe eines leichten, gut verträglichen Entspannungsmittels oberflächlich schlummern. Bei den Regionalanästhesien unterscheidet man zwischen Rückenmarksnahen Blockaden (Spinalanästhesie und Epiduralanästhesie / Periduralanästhesie) und peripheren Nervenblockaden.

Rückenmarksnahe Blockaden

Spinalanästhesie

Durch die Spinalanästhesie wird die untere Körperhälfte betäubt.
Mit einer sehr dünnen Nadel wird zuerst die Betäubung der Haut im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule durchgeführt. Danach wird eine Punktion zwischen den unteren Lendenwirbeln gemacht. In diesem Bereich befindet sich kein Rückenmark mehr, sondern nur noch Nervenwasser (Liquor), welches die Nervenstränge der unteren Extremität umgibt. Die Spinalanästhesie ist also keine Rückenmarksspritze. Das Lokalanästhetikum wird nun in den Liquor eingespritzt. Innerhalb von 2-5 Minuten setzt die Wirkung ein. Der Patient verspürt zuerst eine Wärme in den Beinen, danach ein Kribbeln, die untere Körperhälfte schläft dann zunehmend ein, wird gefühllos und zuletzt können die Beine nicht mehr bewegt werden. Je nach Art des Lokalanästhetikums hält die Wirkung 1-2 oder 3-6 Stunden an.

Epiduralanästhesie (EDA) / PeriduralanästhesSie (PDA)

Die Periduralanästhesie (PDA) ist ebenfalls ein rückenmarksnahes Anästhesieverfahren. Nach Betäubung der Haut im Bereich der Wirbelsäule wird über eine Hohlnadel ein dünner, sehr flexibler Katheter (Kunststoffschlauch) rückenmarksnah in den Periduralraum eingelegt. Der Periduralraum liegt ausserhalb des Liquorraumes. (siehe oben) Über den Katheter wird kontinuierlich ein Lokalanästhetikum gespritzt. Dies ermöglicht eine beliebig verlängerbare Schmerzfreiheit über Stunden oder Tage.
Je nach Höhe der Punktionsstelle (Brust- oder Lendenbereich) kann das Niveau der Schmerzfreiheit bestimmt werden. Durch eine hohe Punktion im Brustwirbelbereich kann der Brustkorb, durch eine tiefe Punktion im Brustwirbelbereich der Bauchraum anästhesiert werden. Durch eine Punktion im Lendenwirbelbereich kann eine Schmerzfreiheit für die Geburt erzielt werden (Geburtshilfliche PDA).Die Wirkung der Periduralanästhesie setzt nach 10–15 Minuten ein. Zuerst werden die betroffenen  Körperareale warm, dann schmerzfrei und gefühllos. Bei der Periduralanästhesie in der Geburtshilfe ist die Beweglichkeit meistens wenig oder gar nicht beeinträchtigt.

Periphere Nervenblockaden

Bei peripheren Nervenblockaden werden einzelne Nerven oder Nervengeflechte an beliebigen Stellen des Körpers betäubt. Es sind rückenmarksferne Blockaden an Hals,
Armen oder Beinen. Dabei wird die Schmerzleitung vorübergehend unterbrochen. Je nach Art und Dosierung des Lokalanästhetikums wird die Beweglichkeit der blockierten Körperregion unterschiedlich stark beeinflusst. Es können auch Kathetertechniken eingesetzt werden. Damit kann eine postoperative Schmerzfreiheit über Tage erzielt werden.

  • Interskalenäre Plexusanästhesie
    Das Lokalanästhetikum wird zwischen die Muskeln des Halses in die Nähe des Nervengefechtes (Plexus) des Armes gespritzt. Dadurch  werden die Schulter und der Oberarm betäubt.
  • Axilläre Plexusanästhesie
    Das Lokalanästhetikum wird in der Achselhöhle in die Gefäss-Nervenscheide eingespritzt. Das Nervengeflecht wird betäubt, wodurch der Ellenbogen, der Unterarm und die Hand anästhesiert  werden.
  • Supra- / infraklavikuläre Plexusanästhesie
    Das Nervengeflecht des Armes wird entweder über oder unter dem Schlüsselbein betäubt. Dadurch werden der Oberarm, der Unterarm und die Hand anästhesiert.
  • Femoralisblock
    In der Leiste wird der Nervus femoralis seitlich der Leistenarterie blockiert. Dadurch werden die vorderen und seitlichen Anteile des Oberschenkels und des Knies schmerzfrei.
  • Obturatoriusblock
    Die Blockade des Obturatoriusnerves kann bei Operationen an der Blase nötig sein, damit sich das Operationsfeld trotz des elektrischen Messers nicht bewegt. Die Punktion wird in der Leiste im Bereich des Oberschenkels innen gemacht.
  • Penisblock
    Die Penisnerven werden oberhalb der Peniswurzel mit einer feinen Nadel anästhesiert. Dieser Block wird vor allem bei Kindern unter Vollnarkose durchgeführt, um Schmerzen nach Beschneidung zu verhindern.
  • Intravenöse Regionalanästhesie (IVRA)
    Die IVRA wird für kurze Operationen an der Hand, am Unterarm und am Fuss eingesetzt. Dabei wird ein Lokalanästhetikum in eine Vene des blutleeren Armes gespritzt. Um den Einfluss und den Rückfluss des Blutes in den Arm sowie das Abfluten des Lokalanästhetikums zu verhindern, wird eine Doppelmanchette an den Oberarm gelegt und auf 300 mmHg aufgepumpt (=Blutsperre). Die IVRA  wirkt nur für die Zeitdauer der Blutsperre. Wird die Doppelmanchette geöffnet, dann fliesst das Lokalanästhetikum in den Körper ab, die Anästhesie ist beendet.
  • Lokalanästhesie mit Sedoanalgesie
    Bei kleinen Eingriffen führt der Operateur eine örtliche Betäubung (Lokalanästhesie) durch, indem er das Operationsgebiet örtlich umspritzt. Das Anästhesieteam betreut den Patienten während des Eingriffes und überwacht alle lebenswichtigen Körperfunktionen. Bei Bedarf  können über eine Infusion  Entspannungsmittel  oder Schmerzmittel verabreicht werden.