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Medizin-Informatik

Obwohl schon seit über 30 Jahren als eigenständiges Fach bekannt, setzt sich die Medizin-Informatik (Synonyme: Gesundheitsinformatik, Health Informatics, Medical Informatics) in der Schweiz nur langsam durch.
Die Medizin-Informatik ist eine klassische Brückenbauer-Disziplin: fundiertes klinisches Wissen und gute Kenntnisse der Arbeitsabläufe im Alltag einer Gesundheitsinstitution werden gepaart mit Grundlagen-Kenntnissen der technischen und informatik-technischen Welt. Mit diesem kombinierten Wissensstand soll der Medizin-Informatiker in der Lage sein, die Applikationen von ICT (Information & Communication Technologies) in die klinische Arbeitswelt zu überführen.

Aufgabenbereiche

Die Projektführung, das System-Design und die Implementierungs-Strategie bilden neben dem Aufbau und Betrieb eines Informations-Managements die Kernaufgaben der medizinischen Informatik.
Das Gesundheitswesen hinkt allen anderen Wirtschafts-Sektoren in Bezug auf den flächendeckenden Einsatz von ICT im Allgemeinen sehr stark nach. Unter anderem Dank dem Einsatz von Medizin-Informatikern soll es dem komplexen Umfeld ermöglicht werden, heute und in Zukunft mehr und besser von den technologischen Möglichkeiten derart zu profitieren, dass der primäre Prozess – die Betreuung und Pflege von Patienten – verbessert werden kann.

Das Umfeld heute

Die Spital STS AG versucht, mittels ICT die Prozesse im Spitalalltag effizienter und sicherer zu gestalten. Dazu wurde in den vergangenen Jahren das Klinik-Informations-System interdisziplinär ausbaut. In der elektronischen Patientenakte werden alle relevanten Befunde einer Vielzahl von Berufsgruppen dokumentiert. Die gesamte Patientenakte ist seit Jahren via WLAN bettseitig verfügbar. Die elektronische Verordnung von Medikamenten (CPOE), Interaktionschecks, Dosis-Vorschläge beim Verordnen, Allergiewarnungen und die Steuerung einer automatisierten Medikamentendistribution (AMDS) sichern den Medikationsprozess ebenso, wie die elektronische Verordnung von Chemotherapien und deren Weiterverarbeitung mit einer computerunterstützten Zytostatika-Zubereitung. Zahlreiche weitere Aufträge werden direkt aus der Patientenakte ausgelöst, so z.B. Radiologie- und Laboruntersuchungen. Die Patientensicherheit wird mit dem selbst aufgebauten System Idef-IS gewährleistet: Patienten sind dabei mit RFID Armbändern versehen. Zusammen mit den elektronisch vorhandenen Aufträgen ist beispielsweise das Verhindern einer Fehltransfusion möglich.
Aber auch die Prozess-Steuerung ist wichtig: die permanente und real-time verfügbare semantische Interpretation unserer Problemlisten bildet die Basis zur Entscheidungs-Unterstützung der Kliniker aber auch zur Führung des DRG-Prozesses.

Dr.med. Marc Oertle